Ach, die Bahn

Am Bahnhof von Vrbas. Foto: Ute Biedermann
Am Bahnhof von Vrbas. Foto: Ute Biedermann

Kurze Abhandlung über eine unerwiderten Liebe

Eine gute Studienreise beginnt nicht erst am Zielort sondern bereits im Zug auf dem Weg dorthin. Reise-Zeichen versucht für die Anreise bevorzugt die Bahn zu nutzen. Leider sind in letzten Jahren viele direkte Bahnverbindungen Richtung Osten gestrichen worden. Das bedauern wir sehr. Denn:

1. Das gleichmäßige Rattern beruhigt und entspannt.

2. Im Zug kommt man mit anderen Reisenden in Kontakt und begegnet Einheimischen.

3. Noch mehr Gründe für das Bahnfahren nennt Katharina Hardt in ihrem Plädoyer …

Reisepoesie und Entschleunigung im Abteilwagen

Wir von Reise-Zeichen sind der Ansicht, dass eine Studienreise nicht erst am Zielort, sondern bereits auf dem Weg dorthin beginnt. Die Erfahrung zeigt, dass der Reiseweg Richtung Ost- und Mittelosteuropa oft genauso eindrücklich ist wie der Aufenthalt vor Ort.

Es quietscht und rattert, rumpelt und faucht. Menschen eilen gepäckbeladen kreuz und quer durch die Bahnhofshalle. Koffer, Zeitungen, Rucksäcke, Dreiräder, Kinderwagen, Taschen und Tüten sollen mit ans Reiseziel. Hie und da blitzt ein Blumenstrauß auf. Der Bahnhof ist ein farbenfroher, pulsierender Ort voller Begegnungen, kaum ein anderer Ort lässt den Reisenden die Aufbruchstimmung so unmittelbar spüren.

Vom „magischen Pferd“ zum Hochgeschwindigkeitszug

Unsere Art zu Reisen, unser Verständnis für Entfernungen und die Dauer von Anfahrtswegen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Ein verlängertes Wochenende in New York ist keine Besonderheit mehr, Tagesausflüge zum Shoppen nach Mailand oder Paris sind es ebenso wenig. Die An- und Abreise wird ein eher lästiges Mittel zum Zweck und ist nicht mehr Teil des Reisens. Sämtliche Stressfaktoren für Mensch und Umwelt werden dabei in Kauf genommen.

Auch Geschwindigkeit ist relativ

Wer bewusst reisen möchte, entscheidet sich für eine Reise mit der Bahn und sieht darin auch eine Möglichkeit zur Entschleunigung. Bei dem dänischen Dichter und Schriftsteller Hans Christian Andersen (1805-1875) hingegen verursachte die Bahnfahrt als modernstes Fortbewegungsmittel seinerzeit einen Geschwindigkeitsrausch:
„Ich habe mehrere sagen hören, daß durch die Eisenbahnen alle Reisepoesie verschwunden sei und man an dem Schönen und Interessanten vorbeijage (…)  (Aber) (…) welches große Werk des Geistes ist doch diese Erfindung! (…) Wir spannen unser magisches Pferd vor den Wagen und der Raum verschwindet (…).“

Der Weg ist wirklich auch das Ziel

Bei einer Bahnreise ist vieles möglich: Wir begegnen Menschen und kommen mit ihnen ins Gespräch, erfahren etwas über ihre Herkunft, ihre Kultur und Religion. Über landestypische Rezepte und Eigenheiten, ihre Gesellschaft und Alltägliches. Vielleicht spielen wir entspannt ein Runde Karten oder Schach, lernen Folklore und Lieder kennen. Wer eine Studienreise in Ruhe beginnen möchte, richtet es sich an seinem Abteilplatz ein oder im Bordrestaurant, das hier meist noch ein richtiger Speisewagen ist, wo er sich vielleicht einem Buch widmet. Der eine oder die andere schreibt möglicherweise schon am ersten Teil seines Reiseberichtes, während der Sitznachbar die Mitreisenden skizziert. Wieder andere genießen die Musik aus dem Kopfhörer, während Landschaften und Städte vorbeiziehen.

Gute Reise

Zu vielen Studienreisen von Reise-Zeichen gehören immernoch Bahnfahrten dazu. Sie sind authentisch und umweltschonend. Wann steigen Sie ein?