Danzig/Gdańsk

Deutsch-Polnischer Dialog im (Um)Bruch? Krise als Chance sehen

Reise 18-08

29.07. – 03.08.2018

Für diese Reise kann in einigen Bundesländern Bildungsurlaub beantragt werden.

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Für diese Reise kann in einigen Bundesländern Bildungsurlaub beantragt werden.

Es begann in Danzig. Die Stadt gilt als Erinnerungsort für den friedlichen Umbruch im Osten Europas schlechthin. Diese spannende Hafenstadt bedeutet Westerplatte – Kriegsbeginn und Solidarność  – polnischer Aufstand und gleichzeitig die wichtigste friedliche Bewegung in Osteuropa mit Einfluss auf politische Änderungen in ganz Europa. Mit Danzig/Gdańsk sind Persönlichkeiten wie z.B. Günter Grass und Stefan Chwin verbunden, deren literarischen Werke uns die polnische und deutsche Geschichte und Gesellschaft näher bringen.

Unsere Bildungsreise thematisiert auch das grausame Kapitel der deutsch-polnischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Sie besuchen u.a. das Museum des Zweiten Weltkriegs und das Westerplatte-Museum; diese beiden Einrichtungen wurden im April 2017 zusammengelegt.

Mit der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrages vor mehr als 25 Jahren hat ein neues deutsch-polnisches Kapitel begonnen. Aber nach so vielen Jahren gelungener gemeinsamer Aussöhnung ist dies der aktuellen Politik der polnischen Regierung ein Dorn im Auge. Dieser Konflikt spiegelt sich u.a. auch bei der Entstehung des Museums des Zweiten Weltkrieges in Gdańsk wieder: Die Konzeption der Dauerausstellung sieht die Einbettung des polnischen Schicksals im europäischen Zusammenhang des Zweiten Weltkrieges vor; diese Idee jedoch passt nicht zur Geschichtspolitik der jetzigen polnischen Regierung (PiS – Recht und Gerechtigkeit). Die Folge ist ein langwieriger Streit zwischen verschiedenen Behörden und Beteiligten. Wir werden dieses Projekt genauer unter die Lupe nehmen…

Gdańsk verkörpert auch den Wiederaufbau des freien Polens durch die Solidarność-Bewegung. Nicht ohne Grund hat das Europäische Zentrum der Solidarität seinen Sitz in dieser Stadt und informiert nicht nur über historische Fakten der Solidarność-Bewegung in Polen und anderer Freiheitsbewegungen in Europa, sondern vermittelt auch europäische Werte, wie Solidarität, Freiheit und Demokratie. Im Hinblick auf die nach rechts gerückte politische Landschaft in der EU sind diese Werte im heutigen Europa wichtiger denn je. Das Zentrum veranstaltet zahlreiche Ausstellungen, Vorträge, Treffen, Konferenzen, Führungen und Workshops und zeigt, wie sinnvoll solche Orte für die Zukunft unserer Länder sein können.

Während dieser Bildungsreise lassen wir auch Künstler, Aktivisten und Passionierte zu Wort kommen, die sich mit dem Thema deutsch-polnischer Dialog auseinander gesetzt haben. Die Treffen und Begegnungen bieten Gelegenheit zum Kennenlernen, für Diskussionen und tragen hoffentlich nachhaltig zu einem besseren Verständnis bei.

Unkonventionelle thematische Stadtführungen ergänzen das Programm.

Heute bildet Gdańsk zusammen mit der Hafenstadt Gdynia und dem Seebad Sopot die sogenannte Trójmiasto (Dreistadt) mit über 700.000 Einwohnern und ist einer der bedeutendsten deutsch-polnischen Erinnerungsorte des 20. Jahrhunderts.

Voraussichtlicher Programmablauf

(Stand: 04. Dezember 2017; Änderungen im Programmablauf sind möglich und bleiben vorbehalten)

1. Tag | Anreise

  • Individuelle Anreise der TeilnehmerInnen nach Danzig/Gdańsk

2. Tag | Es begann in Danzig

  • Begrüßung, Kennenlernen und Vorstellung des Programms
  • Kaffeepause
  • Einführung in das Thema. Geschichte einer außergewöhnlichen Stadt in Europa.
    Gespräch mit einem Historiker zur Geschichte Polens mit Fokus auf Danzig und deutsch-polnischer Beziehungen.
    Kaum eine andere Stadt in Polen ruft sowohl bei Deutschen als auch Polen so viele und unterschiedliche Bilder hervor. Diese Stadt hat eine über tausend Jahre alte Geschichte. Gdańsk ist nicht nur deutsch-polnischer Erinnerungsort sondern spielt auch eine wichtige Rolle in der gesamteuropäischen Geschichte.                                Themen: Freie Stadt, Kriegsbeginn, Gewerkschaft und Solidarność, Günter Grass, Ende des Kommunismus
  • Gemeinsame Mittagspause
  • Thematische Stadtführung: Diese Stadterkundung führt nicht nur zu den wichtigsten Stationen im Hinblick auf die polnische Geschichte sondern wir gehen auch auf Spurensuche europaweit bekannter Persönlichkeiten, wie Schopenhauer, Heweliusz, Fahrenheit.
  • Übernachtung in Gdańsk

3. Tag | Deutsch-polnische Geschichte ist europäische Geschichte

  • Solidarität. Freiheit. Demokratie. Das Europäische Zentrum der Solidarität.
    Führung durch das Zentrum und Gespräch mit Mitarbeitern.
    Das Europäische Solidarność-Zentrum ist die im Herbst 2007 vom gleichnamigen Gewerkschaftsbund NSZZ Solidarność und dem polnischen Kulturministerium in Danzig ins Leben gerufene Einheit aus einem Museum über die Gewerkschaft, ihrem Zentralarchiv, einer Multimedia-Bibliothek sowie einem Bildungszentrum.
    Der Bau des ECS wurde von der Europäischen Union mit 51 Mio. Euro gefördert und 2014 eröffnet. Das Hauptziel dieser Einrichtung liegt in der Wissensvermittlung über das Solidarność-Erbe und die aktive Teilnahme am Aufbau der europäischen Identität. Der ehemalige polnische Präsident und Friedensnobelpreisträger Lech Wałęsa nutzt dort seit 2014 ein Büro.
  • Gemeinsame Mittagspause
  • Treffen mit Basil Kerski, dem Direktor des Zentrums.
    Basil Kerski ist ein aus einer polnisch-irakischen Familie stammender deutsch-polnischer Kulturmanager, Journalist, Politikwissenschaftler und Essayist. Seit März 2011 leitet er das Europäische Solidarność-Zentrum in seiner Geburtsstadt. Seit 1998 ist er Chefredakteur des zweisprachigen deutsch-polnischen Magazins „Dialog“, das viermal jährlich in einer Auflage von 7000 Exemplaren erscheint.
  • Übernachtung in Gdańsk

4. Tag | Deutsche Spuren in Gdańsk

  • Museumsbesuch: Museale Erzählung wie die Geschichte den Bogen zur Gegenwart schließt Gdańsk.
    Besuch des Museums des Zweiten Weltkrieges: Schon vor der Eröffnung des Museums entflammt eine heiße Debatte in der polnischen Gesellschaft. Der jetzigen polnischen Regierung PiS missfällt die Konzeptionsidee: sie würde die Leiden und Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges fokussieren und dabei den Patriotismus und Opferbereitschaft der Polen in den Hintergrund drängen. Zudem passe auch die europäische Orientierung der Dauerausstellung nicht. Spiegelt dieses Museumsprojekt die gegenseitige deutsche und polnische Wahrnehmung der gemeinsamen Geschichte und Gegenwart wider?
  • Gemeinsame Mittagspause
  • Fortsetzung der Museumsbesichtigung. Besuch des Museums Westerplatte.
  • Versöhnung und gegenseitige Inspiration durch Engagement. Wie entsteht eine nachhaltige Zivilgesellschaft zwischen Polen und Deutschen?
    Gespräch mit Vertretern der Deutsch-Polnischen Gesellschaft.
    Die DPG in Gdańsk wurde vor über 25 Jahren im Zuge des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages gegründet. In diesem Zeitraum entstanden polenweit deutsch-polnische Initiativen und Institutionen, die sich primär der Versöhnung und dem Wiederaufbau des Vertrauens zwischen Polen und Deutschen widmen.
    Wir erfahren, wie und mit welchem Erfolg.
  • Übernachtung in Gdańsk

5. Tag | Kultur bedeutet Kraft und Nachhaltigkeit

  • Grassomanie. Auf Spuren der literarischen Protagonisten von Günter Grass.
    Eine unkonventionelle Stadtführung: die 800-jährige Nikolauskirche,  das „schiefe Haus“ an der Ecke Lawendowska und Swietojanska, St. Johannes Kirche, historisches Viertel Swietojanska, Tor Sraganiarska mit den drei Wappen: Rzeczpospolita, Preußische Königsreich und Danzig
  • Günter Grass in Gdansk.
    Besichtigung der städtischen Gdanska Galeria Miejska. Eine Kultureinrichtung mit drei unterschiedlichen Gebäuden in der Stadt. Hier treffen sich Menschen mit Ideen, wie sie progressiv und experimentell Kultur und Gesellschaft zusammenbringen. Die Günter Grass Galerie ist ein Teil dessen mit über 140
    Exponaten des Nobelpreisträgers.
  • Gemeinsame Mittagspause im kubicki restauracja (populäres Cafe mit guter polnischer Küche, wo u.a. auch Günter Grass und Czeslaw Milosz Gäste waren)
  • Treffen mit dem Schriftsteller Stefan Chwin.                                                                                                                        Er ist ein polnischer Schriftsteller, Literaturhistoriker, Literaturkritiker sowie Grafiker. Als Chronist der deutsch-polnischen Geschichte in Gdansk wurde er oft mit Günter Grass verglichen. Seine wichtigsten auf Deutsch erschienenen Romane sind: Hanemann (deutscher Titel: Tod in Danzig) und Esther (deutscher Titel: Die Gouvernante). In den 90-er Jahren war Stefan Chwin in der Fundacja Borussia Olsztyn (Allenstein) tätig, eine Stiftung und Kulturgemeinschaft (NGO), die sich zivilgesellschaftlich engagiert und um Toleranz und Miteinander unterschiedlicher Kulturen bemüht. 
  • Übernachtung in Gdańsk

6. Tag | Kunst und Völkerverständigung

  • Inspiration durch Völkerverständigung.
    Gespräch mit einer polnischen Künstlerin aus Gdańsk. Wir erfahren, was es mit der im Rahmen des Arts-in-Residence-Programms des Kulturforums Ostdeutsche Galerie entstandenen Idee für das Werk „Installation Nr.44“ auf sich hat.                                                                                        
  • Gemeinsames Mittagessen, Feedback und Ausklang der Reise
  • Zeit für eigene Erkundungen
  • Individuelle Abreise der TeilnehmerInnen

Auf Wunsch ist eine Verlängerung möglich (fakultatves Angebot).

Seminarleitung

Kasia Opielka

Teilnehmerzahl

mindestens 10 / maximal 18

Reisepreis (ab/bis Danzig)

895 Euro pro Person im Doppelzimmer (bei eigener An-/Abreise)
Einzelzimmerzuschlag auf Anfrage

Leistungen

Die folgenden Leistungen sind im Reisepreis enthalten:

  • 5x Übernachtung mit Frühstück, Doppelzimmer mit Dusche oder Bad und WC in einem zentral gelegenen Hotel der Mittelklasse
  • 5x Mittagessen (Getränke ausgenommen) in ausgewählten Restaurants
  • Sämtliche Programmkosten im Rahmen des genannten Programmablaufs: Stadtführungen, Referenten, Eintrittskosten, ÖPNV, (ausgenommen fakultative Leistungen)
  • deutschsprachige Seminarleitung
  • Vorbereitungsmaterial und Sicherungsschein