Warschau: Flüchtlinge, Migranten, Fremde

Ein Thema beschäftigt Europa – wie geht Polen damit um?

Reise 18-02

22.04. – 27.04.2018

Für diese Reise kann in einigen Bundesländern Bildungsurlaub beantragt werden.

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Für diese Reise kann in einigen Bundesländern Bildungsurlaub beantragt werden.

Polens Migrationsgeschichte ist stark von Auswanderung geprägt. Und hinsichtlich der aktuellen Situation in Europa wird auch Polen mit Migranten und Flüchtlingen konfrontiert. Wie viele Migranten leben momentan in Polen? Wie gut sind sie in der polnischen Realität angekommen? Warum reagiert die polnische Gesellschaft so skeptisch auf Flüchtlinge?

Während dieser Bildungsreise lernen wir gesellschaftliche Projekte kennen, treffen engagierte Menschen aus Kultur, Wirtschaft und Politik und finden hoffentlich Antworten auf diese Fragen.

In Warschau sind derzeit etwa 22.000 Ausländer offiziell angemeldet.  Allerdings wird behauptet, dass die tatsächliche Zahl der nichteinheimischen Hauptstadtbewohner sogar dreimal größer sein könnte. Ein Viertel dieser Menschen kommt aus der Ukraine, weitere Migrantengruppen sind Vietnamesen und Weißrussen. Viele Flüchtlinge aus den Kriegsregionen wollen langfristig nicht in Polen bleiben bzw. nutzen Polen als Transitland, um in ein westeuropäisches Land,  z.B. nach Deutschland zu gelangen.  Aber es gibt es auch Migranten, die in Warschau ihr Zuhause und eine Arbeitsstelle gefunden haben oder selbständig sind.

Auf dieser Reise nähern wir uns dem Thema auf vielfältige Weise

  • Kulturell – wir lernen Kulturinitiativen und Künstler kennen, die sich mit Migration und
    Flüchtlingen auf künstlerische Art und Weise beschäftigen
  • Wirtschaftlich – sogar die nationalkonservative regierende Partei PiS erläutert in ihrem neuen Wirtschaftsplan, warum die polnische Wirtschaft in baldiger Zukunft so genannte Gastarbeiter, vor allem aus der Ukraine, braucht. Steht quasi die erste Gastarbeiterpolitik an?
  • zivilgesellschaftlich – wir treffen engagierte Menschen, die für alteingesessene Warschauer und neue Migranten geleichermaßen neue Begegnungsorte schaffen mit dem Ziel, sich kennenzulernen, miteinander zu reden und Vorurteile abzubauen

Wir besuchen z.B. Kuchnia Konfliktu, eine neue Initiative in Warschau, die Migranten und Flüchtlinge im Bereich der Gastronomie auf ganz besondere Art und Weise einbindet. Wir treffen Fachleute (Soziologen, Vertreter von NGOs und Unternehmen, Aktivisten, Politiker), die uns u.a. die Gründe für die Ablehnung der polnischen Gesellschaft erläutern und erfahren von unterschiedlichen Migrantengruppen, wie sie ihren Alltag meistern und wie ihre Zukunftsperspektive aussieht.

Voraussichtlicher Programmablauf

(Stand: 04. Dezember 2017; Änderungen im Programmablauf sind möglich und bleiben vorbehalten)

1. Tag | Anreise

  • Individuelle Anreise der TeilnehmerInnen nach Warschau
  • Begrüßung, Kennenlernen und Vorstellung des Programms
  • Gemeinsames Abendessen
  • Übernachtung in Warschau

2. Tag | Multikulturelle Vergangenheit und Gegenwart; jüdische Spuren

  • Einführung in die Thematik Migration in Polen. Polens plurales und multikulturelles Erbe.
    Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Forschungszentrum für Migration.                                                                     Trotz des geringen Minderheitenanteils – rund 95 Prozent der Einwohner in Polen bekennen sich zu einer polnischen nationalen Identität – betreibt Polen eine Minderheitenpolitik zum Schutz der nationalen und ethnischen Minderheiten und ihrer Sprachen. 
    Welche Minderheiten haben früher das Land an der Weichsel bewohnt? Wie sieht die heutige Statistik aus?  Welche Gruppen der Zuwanderer haben Einfluss in der Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft?
  • Mulikulturelles Zentrum – seine Mission, Ziele und Herausforderungen.
    Gespräch mit der Vizevorsitzenden des Vereins Pro Humanum, einer Bildungskoordinatorin und der Vorsitzenden der Stiftung Somalia, die das Zentrum leitet
  • Mehr wissen weniger Angst. Europäische Migrationskrise und Flüchtlinge, Migranten, Ausländer in Polen
    Gespräch über Bildung im Bereich Migrantenkinder in den Schulen
  • Gemeinsame Mittagspause
  • Gespräch mit Vertretern der Stiftung Ocalenie und des Vereins der Freude für die Interkulturelle Zusammenarbeit Jasmin
  • Führung durch das Multikulturelle Zentrum und Einführung in seine Mission.                                                   Roundtable-Gespräch mit Vertretern der NGOs, die im Zentrum ihren Sitz haben und mit Vertretern der ethnischen Minderheiten, die sich in jeweiligen Organisationen engagieren.
    Warschau gilt als die multikulturelle Stadt Polens – ein buntes Mosaik von unterschiedlichen Kulturen ist in der polnischen Hauptstadt im Vergleich mit anderen polnischen Städten. Nach Warschau kommen Studierende und Forscher aus der ganzen Welt, internationale Unternehmen, legale und illegale Gastarbeiter und auch Flüchtlinge. Wie kommen sie im Warschauer Alltag zurecht? Fühlen sie sich daheim? Was vermissen sie?
  • Thematische Stadtführung:  Jüdische Spuren in Warschau
    Es ist unmöglich Warschau zu verstehen, ohne einen Blick auf die Geschichte der Warschauer Juden. Vor dem Zweiten Weltkrieg machten Juden über 30% der Warschauer Bevölkerung aus. Hier lebte die größte jüdische Gemeinde in Europa und die zweitgrößte in der Welt.
  • Übernachtung in Warschau

3. Tag | Aufenthaltsrecht und Kampf gegen Vorurteile 

  • Legal, illegal?
    Gespräch mit einem Mitarbeiter der Ausländerbehörde.                                                                                               Seit Beginn dieses Jahres wurden etwa 100.000 Anträge gestellt, um den Aufenthalt in Polen zu legalisieren. 30% mehr als im Vorjahr, mehrheitlich von Ukrainern.
  • Gemeinsame Mittagspause
  • Ablehnen, Verstehen, Akzeptieren, Integrieren. Die Ausländer aus der Sicht der Polen.
    Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Forschungszentrums für Vorurteile an der Warschauer Universität und mit einer Vertreterin der Initiative www.uchodzcy.info
  • Anschließend Zeit zur freien Verfügung
  • Übernachtung in Warschau

4. Tag | Integrationsbeispiele und Gastarbeiterpolitik

  • Ich bin Syrer. Ich bin Pole.
    Gespräch mit einem Gynäkologen und Geburtshelfer, der seit 25 Jahren in Warschau wohnt
    und arbeitet. Er ist Palästinenser aus Syrien und verließ sein Land Ende der 1980er Jahre. Er ließ seine ganze Familie in Syrien und hat ausschließlich Kontakt  über das Internet. Wir erfahren, wie er in Warschau seine  neue Heimat gefunden hat und über seine Erfahrungen und den Umgang mit Diskriminierung.
  • Gemeinsame Mittagspause
  • Polnische Wirtschaft. Ukrainer. Demografie. Braucht Polen eine Gastarbeiterpolitik?
    Gespräch mit einer Mitarbeiterin im Ukrainischen Haus.
    Braucht die polnische Wirtschaft und Gesellschaft Gastarbeiter, um die Entwicklung des Landes zukünftig gewährleisten zu können? Können die Migranten aus dem Osten die demografischen Probleme Polens lösen? Wie fühlen sich die Migranten als Zuwanderer im heutigen Polen? Die Gesprächspartner erläutern die aktuelle Situation der Migranten im Kontext der Wirtschaft und Gesellschaft.
  • Kuchnia Konfliktu – nicht nur eine gesellschaftliche Initiative.
    Gespräch mit Paulina Milewska.
    Kann man die Gastronomie nutzen und persönliche Geschichten von Menschen erzählen, die vor dem Krieg fliehen und in Warschau ankommen?  „Kuchnia Konfliktu“ ist nicht nur eine Kneipe… sondern Innovation und der Versuch, Gastronomie und gesellschaftliche Initiative zu verbinden? Warschauer lernen nicht nur fremde Speisen, sondern auch die Kultur und Geschichte anderer Länder und Krisengebiete kennen. Flüchtlinge und Migranten gestalten das Projekt mit und kreieren einen Menueplan mit Speisen aus der ganzen Welt. Begleitend gibt es ein Kultur- und Bildungsprogramm.
  • Übernachtung in Warschau

5. Tag | Kunst

  • Über Flüchtlinge, mit Flüchtlingen.  Kann Kunst ein Instrument für nachhaltige und gelungene Integration der Migranten in Polen sein?
    Besuch des Vereins Praktycy Kultury und Gespräch mit Mitarbeitern, die im Kulturbereich von und für Migranten tätig sind und das Thema Migration gemeinsam mit Flüchtlingen künstlerisch unter die Lupe nehmen.
  • Gemeinsame Mittagspause
    Nick Thurston. Hassbibliothek.
    Gespräch mit der Kuratorin. Die Hassbibliothek ist ein Projekt, das der Künstler Nick Thurston und der Historiker Matthew Feldman zusammen kreiert haben. Diese Bibliothek gilt als eine öffentliche Datenbank, die die Sprache der rechtsradikalen Gruppen und politischen Parteien in heutigem Europa erforscht.
  • Übernachtung in Warschau

6. Tag | Die Flüchtlingskrise in den Medien

  • Die polnische Debatte zur europäischen Flüchtlingskrise. Ein Medienüberblick.
    Gespräch mit dem Analysten des Polnischen Instituts für Internationale Angelegenheiten (PISM) und Redaktionssekretär „Polnischer Diplomatie Überblick“ über die Analyseergebnisse der Untersuchung ausgewählter polnischer Presse- und Internetpublikationen zum Thema »Europäische Flüchtlingskrise«. Die Analyse konzentriert sich ausschließlich auf die von den AutorInnen als gefährlich erachteten Radikalisierungen, was das Spektrum der von ihnen analysierten Publikationen deutlich eingrenzt.
  • Gemeinsame Mittagspause, Feedback und Ausklang der Reise
  • Zeit zur freien Verfügung
  • Individuelle Abreise

Auf Wunsch ist eine individuelle Verlängerung möglich (fakultatives Angebot).

Reiseleitung

Kasia Opielka

Teilnehmerzahl

mindestens 10 / maximal 18

Reisepreis (ab/bis Warschau)

895 Euro pro Person im Doppelzimmer (bei eigener An-/Abreise)
Einzelzimmerzuschlag auf Anfrage

Leistungen

Die folgenden Leistungen sind im Reisepreis enthalten:

  • 5x Übernachtung mit Frühstück, Doppelzimmer mit Dusche oder Bad und WC in einem zentralen Hotel der Mittelklasse; Einzelzimmer gegen Aufpreis
  • 5x Mittagessen, 1x Abendessen in ausgewählten Restaurants (Getränke ausgenommen)
  • Sämtliche Programmkosten im Rahmen des genannten Programmablaufs: Stadtführungen, Referenten, Eintrittskosten, ÖPNV, (fakultative Leistungen ausgenommen)
  • deutschsprachige Seminarleitung
  • Vorbereitungsmaterial und Sicherungsschein